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Hello World

Erstes Hello World 1998 in einem DOS-Editor. 1.400 Notizen später, 42 Persönlichkeiten weiter, immer dieselbe Frage: Wie zentriert man ein div? Kann ich eigentlich überhaupt coden?

1998 — es war ein schöner Sommer, ein besonderer Sommertag, roter Himmel, die Sonne ging unter, wir spielten Fußball, waren draußen, und als die Laternen brannten, rannten wir nach Hause.

WTF? Keine Ahnung, welcher Tag das war. Ob es so war — excuse me, wir haben 2026, während ich das schreibe. Aber was ich weiß: die Mütter waren genervt, wenn wir unpünktlich zum Abendessen kamen und der Vater schon vor der Tür stand. Und dann:

„Hello World.” 1998. Das erste Mal in einen DOS-Editor getippt. Mit zehn. Floppy Disk war Hardware, kein Speicher-Symbol. Heute tippe ich es in vim, in IDEs, in diversen Sprachen. Damals PCs repariert und Mainboards gelötet — heute tiefstes Verständnis für Technik.

Erinnerst du dich noch an die ersten PCs? Diese Monsterteile — graue Türme, schwere CRT-Monitore, Kabelsalat im Quadrat. Ich habe sie auf dem Fahrrad transportiert. Tower zwischen den Beinen, Monitor zwischen den Knien balanciert, Tastatur am Lenker festgebunden, Maus in der einen Hosentasche, Mauskugel in der anderen. Wir konnten das damals — jung, wild, unbeholfen.

Eine ganze Generation, aufgewachsen ohne Social Media. Aber mit ICQ. Mit Modem-Sound, der sich tief in unsere Köpfe eingebrannt hat — ihr findet ihn auf YouTube immer noch. Mit Eltern, die durch die Wohnung schrien: „Du blockierst die Telefonleitung!” Und uns selbst: „Mama, kann ich ins Internet, oder telefonierst du gleich?”

Warte, wo waren wir? — Ah ja. „Hello World.” Aber es gibt mehr als das.

Dazwischen: 1.400 Notizen. 42 Persönlichkeiten. Zwei Domains. Ein Pseudonym. Burnouts inklusive. Pläne keine. Zu viele Träume. Größenwahn unübertroffen. Glauben an Tech-Industrie ungebrochen. Ich wollte doch wie Tim Bendzko nur mal kurz die Welt retten.

Mehmet Karaca gibt es seit 2006. karameht als Marke formt sich seit etwa 2017. Das hier ist nicht der Anfang — das ist die Phase, in der ich endlich aufschreibe, was schon längst da ist.

Was hier nicht passiert

Kein „Mein Setup 2026”. Keine Top-10-Frameworks. Kein „React in zwölf Minuten”. Kein „Das beste KI-Tool für Devs 2026”. Kein „Diese eine Sache erhöht deine Produktivität um 10x”. Kein „Du MUSST sofort von X zu Y wechseln — sonst kippt in China ein Sack Reis um”.

Zehntausend Blogs tun das schon. Dazu Millionen YouTube-Tutorials mit „Super-Workflow”-Versprechen. KI-Slop in vier Sprachen, frisch aus der Pipeline, generiert in der Zeit, die ein Mensch zum Atmen braucht. Alles kostenlos. Alles wertlos.

Alle klingen gleich, weil sie aus demselben SEO-Drehbuch kommen — Headlines geprägt vom Algorithmus, Inhalte geschrieben für die ersten drei Sekunden, Wert verdunstend ab Sekunde vier.

Hier kommt was anderes. Hier kommt das, was seit 1998 gewachsen ist — und einen Astro-Build, um sichtbar zu werden. Hier kommt der Vorschlaghammer gegenüber Arbeitgebern, die DSGVO, A11Y und Sicherheit nicht interessieren. Die meinen, KI würde zu mehr Leistung beitragen (btw, schon vergessen, dass man früher Lines of Code als Maß hatte? Das ging mächtig schief). Bei denen Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern ein Fremdwort ist. Hier ist ein Raum, in dem Erlebtes aus all den Jahren verdichtet wird — dokumentiert wird, und wenn es trägt, in karameht zum Essay wird.

Was hier passiert

Technisch. build_log > marketing_copy. Wer Architektur erklärt, ohne das Scheitern zu zeigen, hat sie nie betreten. Nicht „Astro ist toll”, sondern: „Astro wurde gewählt weil X. Verworfen Y und Z. Q, R und S kamen nie aus dem Branch.” Tradeoffs vor Lösungen. Diffs vor Konklusionen. Entscheidungen, die nächtelang, wochenlang, manchmal jahrelang hinterfragt wurden. Trends ausprobiert und verworfen.

Brand-getrieben. brand = Σ(architecture-decisions). Du siehst den Code nicht — aber du fühlst ihn. In jeder Ladezeit, in jeder border-radius, in jeder SSH-Trennung. Wer Brand bei Photoshop beginnt, kommt nie in der Marke an. Logos sind oft Symptom dafür, dass die Architektur gefehlt hat — aber hey, Hauptsache das neue Marketingbudget ist um 20% gestiegen. Fuck you. Was ist eine Marke, wie lebt sie, was ist ihre Typografie, wie unterscheidet sich ihre Mikrotypografie (ich habe ein Faible für Typografie)? Wie spricht die Marke, mit wem und warum? Kein scheiß Powerpoint und keine 300 Scrum-Meetings ersetzen das Gefühl, das man durch Scheitern seit 2006 verstanden hat.

Privacy-first. privacy != feature. Was hier nicht trackt, nicht loggt, nicht synct, ist Inhalt. Datenkraken füttert woanders. Wer Privacy-Schutz als Selling-Point bewirbt, hat ihn nie als Default gebaut. Noch nicht genug Beweise bekommen 2026? Wie scheiße dein Microslop ist, wie toll dein Edge-Browser Passwörter im Klartext speichert, wie viele Datenleaks es gibt und wie schlimm es noch wird? Oh, dich stört das nicht? Du hast nichts zu verheimlichen? Ist das so? Dann gib mir deine Adresse, ich stelle mich an dein Schlafzimmerfenster und notiere deine Leistungen ;-) — Credits gibt’s als Belohnung.

Unabhängig. if (single_provider) { exit(1) }. Code, Hosting, Mail, DNS — alles getrennt, alles migrierbar. Wer alle Werkzeuge aus einer Hand zieht, kettet sich an ein Schicksal, das er nicht selbst geschrieben hat. Aber man muss auch verstehen, was man tut — viele Fehler machen, auch mal ein 500. Der rsync im Kopf knallt heftiger als du denken kannst, und Snapshot 333 brennt sich tief in deine Seele. Unabhängigkeit ist kein Luxusgut, es ist Freiheit.

Sicherheit. default == secure. Supply-Chain gehärtet, SSH getrennt, Header gesetzt, Builds reproduzierbar. Wer Sicherheit nachträglich patcht, hat das Loch schon gelassen. Defaults sind nicht Konvention — Defaults sind Politik. Und damit du es auch verstehst: Sommerurlaub2014 ist kein tolles Passwort für all deine Logins mit der gleichen Mail. Passwortmanager sind nicht zum Spaß da, und einige kluge Menschen haben nicht umsonst Kryptografie entwickelt. Es hat seinen Grund — du musst es nur verstehen.

Roh. truth = Δ(version_n, version_n+1). Posts erscheinen als WIP, werden umgeschrieben, manchmal verworfen — der Diff bleibt. git log lügt nicht. Wer auf fertige Wahrheiten wartet, wartet falsch. Wer denkt, dass ich alles weiß, liegt auch falsch. Ich bin einer mit so vielen Persönlichkeiten und an einem Scheideweg meiner geistigen Fähigkeit — bei der ganzen KI-Grütze, die uns als Gold serviert wird, und Unternehmen, die darin die Zukunft sehen, statt ein weiteres Tool, das uns helfen könnte, besser zu werden. Aber zum Thema KI werde ich mich noch oft genug auskotzen.

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Mein zehnjähriges Ich saß vor einem CRT-Monitor und glaubte, dass ein Hello World etwas bedeutet. Kennst du noch das Gefühl, auf den Monitor zu klopfen, wenn das große Flimmern anfing? Oh, war das ein Segen für unsere Aggressionen. Jeder, der das machen durfte, fühlt es.

Aber zurück zu „Hello World” — heute glaube ich es immer noch, nur anders, denn ich weiß: Alles bleibt anders!

Was als nächstes kommt: alles, was in 1.400 Notizen zwischen 2017 und 2026 gedacht und geschrieben wurde — und lange darauf gewartet hat, dass ich den Mut habe, damit in die Öffentlichkeit zu gehen. Was mir schlaflose Nächte bereitet hat, Gedanken, die ich festhalten muss, Erkenntnisse, die ich weiterhin sammle. Vielleicht wird es dann ruhiger in meinem Kopf. Aber wenigstens wird klarer, wohin meine Reise geht: zur Brand für karameht. Das Ziel ist, in Zeiten von KI ein Gegengewicht abzubilden — damit echtes Wissen und der Schmerz, es zu erlangen, sich eines Tages auszahlt. Ob ich es schaffe? Werden wir sehen. Bis dahin: glaubt an euch — denn ich tat es auch, für mich.

Euer Mehmet